Rettet den Minutenfilm!

Im Fokus: der 25. Deutsche Minutenwettbewerb 2018

 Dieser Artikel ist logischerweise kurz, dafür aber beängstigend in seiner möglichen Tragweite. Der Minutenfilm im BDFA-Geschehen scheint bald auszusterben, was den unten zeichnenden Filmemacher Frank Dietrich zu einem Aufschrei veranlasst, der in jedes Schnittstudio dringen muss.

Wodurch ist eigentlich die hohe Kunst des Erzählens auf kürzestem Weg abhanden gekommen? Dem Dichter ist zuzurufen, dass seine Schreiberei nicht so sehr mit „dichten“, sondern mit „verdichten“ zu tun hat. Gleiches gilt für das Schneiden eines Filmes, der nicht ein Sammelsurium aller brauchbaren Szenen sein kann, sondern ausschließlich das zwingend erforderliche Maß für die filmische Offenbarung enthält. Welch ein persönlicher Genuss für Filmer, in einer passablen Zeit beim Filmschnitt ein Schätzchen reifen zu fühlen, das bei jeder öffentlichen Projektion ein Schmankerl ist! Minutenfilme sind nicht irgendwas. Professoren an Filmhochschulen lassen von künftigen Studenten Minutenfilme anfertigen, um deren Filmverständnis zu testen.

Szenenbild des Minutenfilms „Frohes Fest!“ von Manfred Hennig und Frank Dietrich (2013).

2018 wird im BDFA zum 25. Mal ein Minutenwettbewerb ausgestaltet, der nur Filmen bis maximal 60 Sekunden eine Teilnahme gestattet. Neben dem Amüsement in mehreren Stufen und unter aktiver Einbeziehung des Publikums werden zwei Filme auserkoren, die den BDFA beim World Minute Movie Cup der UNICA, nächstens im tschechischen Blansko, vertreten.

Was schafft man in einer Minute Film? „Weil Kürze denn des Witzes Seele ist …“ hat schon Shakespeare gewusst! Humor passt also schon mal. Und da das „votende“ Publikum beim Deutschen Minutenwettbewerb, beim Minutencup während der DAFF und beim WMMC der UNICA vordergründig einen unterhaltsamen Abend erleben will, gewinnen oft die humorvollsten Filme.

Machen und sich ausprobieren ist richtig. In einem k.o.-System gleich gewinnen zu wollen, ist schon schwieriger. Da muss der Autor sein Publikum gut kennen, um ihm den genau richtigen Leckerbissen vorzusetzen.

Ein erzählter Witz mit zwei Männern, ein Wort hin, eins zurück und fertig, reicht wohl nicht: In Bildern zu erzählen, ist die Kunst, Bekanntes in neuer Sicht anzubieten, ist die hohe Kunst. Der Schreiber dieser Zeilen zeigt seit Jahren Minutenfilme, die menschliche Tiefen sichtbar machen: Gier, Mord, Überwachung, Scheidung, erotische Geldautomaten … Hinsetzen, nachdenken, losmachen. Das Leben hält so viele Geschichten parat, man muss sie nur einsammeln.

Letzter Absatz zum Humor: „Differenz“ ist das Schlüsselwort. Je größer die Differenz zwischen dem zu Erwartenden im Film und dem dann Eintretenden, desto stärker ist der Überraschungseffekt, der zu heftiger Heiterkeit beim Publikum führt. Punkt. Und was ist mit ernsteren Minutenfilmen? Es gibt sie leider nur selten, sie fehlen sehr. Die Senftenberger Videofilmer stiften jedes Jahr einen „Minuten-Kunst-Preis“, der kleine Dokumentationen, Reportagen, Porträts, Satire und experimentelle Kunst befördern soll. Eine Spielwiese ohnegleichen lädt zum Betreten ein. Lasst Pflänzchen zu leuchtenden Blumen erblühen!

Machen Sie Minutenfilme, nur 19 Werke wurden 2017 eingereicht, wir hatten schon mehr als 50 im Programm!

Gehen Sie auf die Seite www.videofilmer-senftenberg.de und erfahren Sie dort Termine und Reglement. Lernen Sie von anderen Filmemachern, indem Sie den 25. Deutschen Minutenwettbewerb besuchen. Senftenberg im Seenland ist immer eine Reise wert.

Frank Dietrich
für die Videofilmer Senftenberg