„Manchmal muss altes sterben, damit neues leben kann“

Christine Wilkerling (Foto: Jürgen Liebenstein, 2015)

Christine Wilkerling
(Foto: Jürgen Liebenstein, 2015)

Wer sie gekannt hat, wird sich an eine besondere Frau erinnern. Gekannt haben dürften sie viele, die in den letzten zehn Jahren ihre Kreise im Bundesverband Deutscher Film-Autoren zogen. Sei es als Clubmitglied im Film-, Foto- und Videoclub Hanau, als Erste Vorsitzende des BDFA-Landesverbandes Hessen, als Ausrichterin der Deutschen Filmfestspiele und Mitorganisatorin einer großen Anzahl weiterer BDFA-Filmfestivals, als Juryleiterin, als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in den vergangenen drei Jahren oder zuletzt als Mitwirkende bei der Arbeitsgruppe der BDFA-Querdenker. Wohltuend sorgte sie oftmals für frischen Wind unter der meist männlichen BDFA-Führungsriege und wurde nie müde, immer wieder dringenden Reformbedarf anzumahnen.

Zusammen mit ihrem Ehemann Klaus war sie erfolgreiche Filmautorin bemerkenswerter, meist dokumentarischer Arbeiten. Viele von uns erinnern sich ganz besonders an „Lichterglanz und Feuerzauber“, der dem Paar bei den Deutschen Filmfestspielen 2010 in Krefeld einen BDFA-Filmpreis einbrachte.

Wenn auch oft pragmatisch, war sie immer idealistisch genug, sich für unsere aller Sache mit Hingabe und Leidenschaft einzusetzen. BDFA-Jahrestagung, Juni 2013 in Festenburg im Harz: Ein paar Junge waren damit beauftragt, sich u. a. Gedanken über eine neue Wettbewerbsstruktur zu machen. Am frühen Samstagabend stellten sie schließlich in leicht aufgeheizter Stimmung ihre Ideen vor. Es sollte der letzte Tagesordnungspunkt vor dem Abendessen sein, anschließend war gemeinschaftliches Fußball-Schauen des Pokalfinales zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart geplant. Als die Diskussion beendet werden sollte setzte sie sich, angesichts dieses „Anbruchs einer neuen Zeit“, mit Nachdruck dafür ein, doch bitte auf die erste Halbzeit des Spiels zu verzichten, um sich noch einmal gemeinsam darüber beraten zu können. Genau so wurde es dann auch gemacht. Eine Mehrheit von Männern dazu zu bewegen, freiwillig auf das Pokalfinale zu verzichten, schaffen nur Frauen wie sie.

Es schmerzt, dass sie die Umsetzung der ersten nun wirklich beschlossenen Reformen, die sie in vielerlei Hinsicht mit initiiert, angestoßen und verfochten hat, nicht mehr erleben kann. „Manchmal muss altes sterben, damit neues leben kann“, war stets ihr dringlichster Apell.

Christine Wilkerling ist am 11. Mai 2016 gestorben. Ihr offener und ehrlicher Umgang mit Ihrer Krankheit war bezeichnend.

Im Namen des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren möchten wir ihrem Mann Klaus und ihrer Familie in diesen schweren Stunden unsere aufrichtige und herzliche Anteilnahme übermitteln. Christine hat Unglaubliches für unseren Verband geleistet. Und sie hinterlässt uns eine Verpflichtung.

Marcus Siebler, Bernhard Lindner, Klaus Piotrowski im Mai 2016
Bundesverband Deutscher Film-Autoren e. V.