Ergebnisse der Deutschen Filmfestspiele 2022 des BDFA

BDFA-Filmpreise gingen an

Naturschätze im Schwäbisch-Fränkischen Wald

von

Frank Lauter (Schwäbisch Hall)

In diesem Film wird der Zuschauer zu einem Ort voller Magie mitgenommen. Die kurze Einleitung macht Lust auf mehr, eine Grafik zeigt, wo man sich hinbegibt, und das Abenteuer kann losgehen.

Die Winterlandschaft macht Platz für den Frühling, die Zeit, in der das Leben erblüht. Ob Feuersalamander, Wasseramsel oder  Specht, alle finden ihren Platz in einer kleinen Geschichte. Sogar ein Ausflug ins benachbarte Wohngebiet ist für viele Bewohner des Naturparks normal. Das Leben ändert sich mit den Jahreszeiten, aber die Magie bleibt.

Die Kameraarbeit ist hervorragend, Drohnen-Aufnahmen verschaffen Überblick, Nahaufnahmen zeigen jedes Detail. Eine effektive Grafik, die exzellente Musik, zum Beispiel zur Wasseramsel, und die immer wieder aufgebaute Spannung durch kleine Geschichten, machen diesen Film zu einem Erlebnis. Als Zuschauer fühlt man sich nie als Eindringling, sondern stets als beobachtender Genießer.

Laudator: Guido Haesen

 Baumfällarbeiten 

von

Dr. Stephan Vogel (Wiesbaden)

Wenn es einem Autoren gelingt, das Große im Kleinen zu erzählen, ist dramaturgisch schon sehr viel gelungen. Im Falle unseres Preisträgers wird uns nicht nur das Kleine, sondern insbesondere das sehr Persönliche präsentiert: ausgehend von den letzten, privaten Videoaufnahmen seines Vaters lässt uns der Autor Anteil nehmen an der Sprachlosigkeit, die das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ein Leben lang geprägt hat.

Sehr viele Söhne, deren Väter im Krieg gedient haben, können sich mit diesem Konflikt sicherlich identifizieren, immerhin kann das Hakenkreuz auf der Deckseite des Soldbuchs nicht einfach so leicht entfernt werden. Formal in klaren, statischen Einstellungen umgesetzt und dramaturgisch klug aufgebaut – nicht zuletzt durch die zunächst auf die falsche Fährte führende Titelwahl sowie den recht späten Einsatz der erläuternden Off-Stimme – gelingt ein leiser Film, der eine große emotionale Wirkung entfaltet und der am Ende die Vaterrolle des Autoren reflektiert. Die Konflikte mögen sicherlich andere sein, aber wird sich in Bezug auf die eigenen Kinder evtl. auch eine Kommunikationsproblematik ergeben?

Laudator: Michael Schwarz

Tebbutt

von

Marcus Siebler (Petershausen)

 

Der Autor hat sich eine Geschichte ausgewählt, die durch ein reales Ereignis inspiriert wurde – einen Kriminalfall. In allen Teilen der Filmsprache ist es ihm gelungen, im Zuschauer das Gefühl einer hohen Spannung aufzubauen, genauso wie eines diffusen und stets anwesenden Geheimnisses unter der Oberfläche der scheinbar banalen Alltagssituationen.

 

Der Film liefert dem Zuschauer nicht nur eine spannende Story, sondern lässt ihm auch Raum für seine Phantasie, wie sich diese Story weiter entwickeln könnte. Die Kameraarbeit und der Sound erzeugen beim Zuschauer die Erwartung einer überraschenden Wendung. Hierzu gehört auch die Arbeit des Autors mit Musik, Geräuschen und vor allem auch der Stille.

 

Die befremdliche Atmosphäre des Films wird durch eine ungewöhnlich choreographierte Kamera sowie schwarz-weiß Bilder mit wenigen Einfügungen in Farbe betont. Trotz der erwarteten Wendung kommt diese in einer überraschenden Form und zu einem überraschenden Zeitpunkt. Das Drehbuch wird durch ein gelungenes Casting und eine authentische schauspielerische Leistung umgesetzt.

 

Laudatorin: Monika Hašková

Blaumachen

von

Gerhard Kreysa (Eppstein)

Bei manchen Filmen ist mit dem Titel schon der gesamte Film erzählt. Bei guten Filmen macht uns der Titel neugierig und leitet bis zum Ende durch den Film.

Manche Dokumentationen setzen erhebliche Recherchen voraus, um Zusammenhänge erklären zu können. Bei guten Dokumentationen werden uns Zuschauern diese komplexen Zusammenhänge verständlich und unterhaltsam erklärt. All dies ist in dieser Dokumentation der Fall:

Der Film nimmt sich ein komplexes Thema vor, das zeitlich von der Steinzeit bis in unsere Gegenwart reicht und mit dem wir alle täglich in Berührung kommen. Er streift thematisch die industrielle Revolution und führt uns in die Welt der chemischen Labore. Letztlich erhalten wir ein besseres Verständnis, mit welchem großen Aufwand in früheren Jahrhunderten mineralische Farben gewonnen wurden und wie die heutigen Erkenntnisse über Teerfarbstoffe unsere Welt bunter machen.

Zudem erfahren wir auch, warum Blaumachen eine durchaus seriöse Tätigkeit sein kann.

Laudator: Jürgen Richarz

rebirth (Wiedergeburt)

von

Matthias Spehr (Rostock)

 

Der Autor hat ein aktuelles Thema gewählt, das die gesamte Gesellschaft seit mehr als zwei Jahren emotional bewegt – das Thema des Covid-Lockdowns und dessen Einfluss auf das emotionale Leben der Menschen, konkret einer jungen, kreativen Künstlerin. Dem Autor ist es gelungen, anhand ihres Beispiels konzentriert darzustellen, wie ein persönlicher Lockdown konkret aussehen kann. Extrem düstere Kreationen sowie das Interieur ihrer Wohnung ordnen sich den düsteren Emotionen der Künstlerin unter.

 

Diese Kreationen hinterlassen eine intensive Wirkung. Die persönlichen und spontanen Aussagen der Künstlerin sind authentisch und regen zum Nachdenken an – ohne Rücksicht darauf, ob man von ihrer Kunst angesprochen ist oder nicht.

 

Der Film vermittelt, wie notwendig eine Wandlung erforderlich ist, sowohl für die Künstlerin als auch für unsere Gesellschaft. Am Ende hat der Zuschauer diese Wandlung der Künstlerin miterlebt.

 

Laudatorin: Monika Hašková

Am Ende des Mekong

von

Michael Preis (Dortmund)

Der Autor dieses Dokumentarfilms setzt sich gleich zu Beginn ein klares Ziel und schafft es, dieses konsequent und für die Zuschauer sowohl informativ, aber vor allem auch emotional-sinnlich zu erreichen.

 

Dies gelingt durch authentische Interviews mit ausgewählten Protagonisten, denen er stets auf Augenhöhe begegnet. Neben dem sehr gut geschriebenen und persönlich eingesprochenen, aus der Ich-Perspektive formulierten Text, der dosiert eingesetzt wird und auch olfaktorische Aspekte einfließen lässt, erfahren wir relevante Informationen über das Leben der Menschen am Fluss der neun Drachen also direkt aus erster Hand.

 

Auch in hektischen Marktsituationen lässt sich der Autor Zeit für genaue Beobachtungen, präsentiert uns beeindruckende Porträtaufnahmen und montiert sein hervorragend gedrehtes Material sowohl visuell als auch auditiv souverän und elegant, so dass der Fluss des Filmes über die gesamte Laufzeit auch dramaturgisch hervorragend funktioniert.

 

Laudator: Michael Schwarz

Der Löffel

von

Nils Buchholz (Nörvenich)

 

Eine Story von vier Angestellten und einem Chef. Jeder hat seine Beschäftigung, und Kommunikation ist in dieser geschlossenen Gesellschaft anscheinend nicht wichtig.

 

Ein Löffel im Garten bringt die surrealistische Geschichte ins Rollen. Das Verständnis zwischen den geklonten Angestellten ist minimal. Nur der Chef, die intelligente Maschine, lässt sich kurz auf ein etwas emotionales Gespräch ein. Nach der Ernüchterung ist die Einsamkeit wieder allgegenwärtig.

Ein Bild unserer Gesellschaft?

 

Die gelungene Umsetzung einer originellen Idee mit nur einem Darsteller, der mit jeder Situation gelassen zurechtkommt, erzeugt einen unterhaltsamen, heiteren Film. Dazu trägt die perfekt gestaltete Tonspur bei: der Gong, die Musik, die Dialoge werden optimal eingesetzt, um eine etwas andere Geschichte zu erzählen, bei der die aufgebaute Spannung bis zum Ende anhält.

 

Laudator: Guido Haesen

 

Mit dem BDFA-Special-Award «Unforgettable» wurde der Film

 

 Und plötzlich kam der Tod

von

Thomas Kempf (Hanau)

ausgezeichnet

 

«Für einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft. Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit» schrieb einmal der Schriftsteller Berthold Auerbach.

 

Mutig, persönlich, schmerzhaft. Ein Werk, das Fragen stellt mit der Gewissheit, wohl nie mehr sichere Antworten darauf zu bekommen. Ein Ereignis, das Leben nahm und Familien Unglück brachte, darunter auch der eigenen. Eine Geschichte, die – den Tiefen der Ströme des Lebens entrissen – unvergesslich ist.

 

Laudator: Marcus Siebler

Bester Minutenfilm

 

wauwau

von

Manfred Hennig

DAFFPublikumspreis

  1. Naturschätze im Schwäbisch-Fränkischen Wald

von

Frank Lauter

 

  1. Blaumachen

von

Gerhard Kreysa

 

  1. Angekommen?

von

Egid Spies

 

  1. Zum magischen Felsen

von

Klaus Wilkerling, Christine Wilkerling †

 

  1. WO DIE EDELSTEINE SCHLAFEN

von

Hansueli Holzer

Weitermeldungen

82 Nations Film Competition and Congress –

UNICA 2022 / Locarno, Switzerland / 21 – 25 August

 

Arme Seele

von

Philipp Wagner (Passau)

 

Maestro

von

Rolf Birn, Anna Meschkowa, Switlana Kolzowa

 

MANNKIN

von

Pablo Ferdinando Mattarocci (Jena), Moritz Melms

 

Holey Ground

von

Matthias Spehr (Rostock), Noemi Clerc

 

 

Word Minute Movie Cup

 

East Side

von

Bernhard Zimmermann (Düsseldorf)

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