Juryarbeit kritisch betrachtet

„Schon seit 1870 streitet die Katholische Kirche um die Unfehlbarkeit (des Papstes). Auf den ersten Filmfestivals 60 Jahre später stritten sich die Juroren um den gleichen Mythos, die Unmöglichkeit einer absoluten Wahrheitsfindung. Das ist auch heute noch in Cannes so, in Berlin, Hollywood oder aktuell am 18./19. März beim Landesfilmfestival in Gütersloh. Unser Kritikbewusstsein ist auf dem falschen Weg!“, meint Autor Manfred Riep. „Wir loben die falschen Werte. Wir urteilen päpstlicher als der Papst! Lassen Sie mich den Titel eines Films neu interpretieren: Wir sind behindert (durch unseren Amateurfilmer-Tunnelblick), aber nicht bekloppt!“ In der aktuellen „film&video“ 1/17 erscheint eine Kurzversion des Beitrags von Manfred Riep.  Sein ursprünglicher Artikel in voller Länge ist HIER als PDF zu lesen.

Fusion im Norden: der neue BDFA-NORD e.V.

Seit 1. Januar 2017 existieren die LV Niedersachsen und Nordwest nicht mehr. Dafür gibt es den BDFA-NORD e.V. Der neue Verband hat 225 Mitglieder, davon 45 Einzelmitglieder und 180 Mitglieder in zehn Clubs der drei Bundesländer: Hamburg (4), Bremen (2), Niedersachsen (4).

Am 15. Januar 2017 wurde der neue Vorstand gewählt, identisch mit dem alten „Nordwest“-Vorstand. 1. Vorsitzender ist Rainer Drews, 2. Vorsitzender Hans-Jürgen Schekahn, Schatzmeister Dieter Schlemmermeier.

Das Landesfilmfestival heißt künftig „Kurzfilmfestival Nord“ und findet jährlich zwei Mal zweitägig im Kinohotel Meyer in Harsefeld statt. Ab Herbst 2017 werden die Festivals für Amateurfilmer und Jugendgruppen offen beworben. Eine neue Homepage ist in Arbeit.

www.bdfa-nord.de

Gekonnte Küsse im Amateurfilm und satirische „Hai Leids“

Erlebt auf dem NRW-Landesfilmfestival Westfalen:

Gekonnte Küsse im Amateurfilm und satirische „Hai Leids“

TEXT: MANFRED RIEP, FOTOS: MANFRED KRAUSE, MANFRED FRIEDRICH

In meinem Bericht über das Landesfilmfestival der Region Westfalen  Herbst 2016 am 12./13. November in Bad Lippspringe fang ich mal mit dem meist diskutierten Thema eines Wettbewerbes an – der Jury!

Martin Gubela aus Bergisch Gladbach kam oft schnell zum Wesentlichen:  Bei Erik Jägers Film erschöpfte er seine Kritik in drei Worten: „Zeppelin, Sparkasse, Rundflug, die anderen wollen ja auch noch was sagen“. So lieben wir Martin, er ist ein Glücksfall in jeder Jury. Er war nicht der Einzige: Ute Kühnert aus Nürnberg stellte aus menschlicher Sicht manches Wort der Technikkritik klar, das Laien oft nicht verstehen. Herbert Kania aus Paderborn spricht da manchmal Worte aus, die nicht mal jeder Besucher der Berliner Filmfestspiele versteht: Wenn er von „jump cut“ spricht, denkt mancher vielleicht an Sackhüpfen. Bei „jumping horizons“ wehrt mancher ab: „So besoffen war ich auch schon!“ Antoni Skorniewski aus Bergisch Gladbach kitzelt selbst aus langweiligen Filmen, die es hier natürlich nicht gab, feinste Nuancen künstlerischen Wollens heraus, dass selbst Teilnahmeurkunden stolz nach Hause getragen werden. Bernhard Zimmermann aus Düsseldorf versteht es besonders, den großen Bogen zur Filmkunst von unbekannten kleinen zu großen filmischen Werken heraus zu filtern und zu loben. Last but not least zügelte Dieter Kopelke aus Siegen als Juryleiter ruhig und souverän die Kritiker, ergänzte hie und da nicht angesprochene Gedanken! Alles in allem: Diese Jury war unterhaltsam, verständnisvoll und bemühte sich um gerechte Beurteilung, was bei Phantasieprodukten, wie unsere Filme es sind, nie vollkommen erreicht werden kann. Eine Spitzenjury! Das Bild mit den Juroren zeigt Daumen-Heben nicht als „Die Urteile sind über den Daumen gepeilt!“ sondern als Versprechen zur Klarheit und Gerechtigkeit!

Nicht über den Daumen gepeilt – die Jury: Ute Kühnert, umringt von Juryleiter Dieter Kopelke sowie den Juroren Martin Gubela, Bernhard Zimmermann, Antoni Skorniewski und Herbert Kania

Nicht über den Daumen gepeilt – die Jury: Ute Kühnert, umringt von Juryleiter Dieter Kopelke sowie den Juroren Martin Gubela, Bernhard Zimmermann, Antoni Skorniewski und Herbert Kania

Manfred Friedrich vom ausrichtenden Filmclub Bad Lippspringe leitete zum vierten Male das Festival in Odins Filmtheater Bad Lippspringe. Der 35/70mm Projektor aus den 50er Jahren war durch einen digitalen Kino-Projektor neuester Bauart ersetzt worden, die Projektion wahrhaft riesig, hell und scharf wie in einem Festivalkino. So kamen Filme mit Landschaften erst in dieser Größe zu ihrer wahren Wirkung. Manfred Friedrich, Helge Temme, Christian Theiner und Albert  Willeke drehten gleichzeitig einen Film über den Umbau. „Neustart“ so der Titel wurde mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Die Organisation lief wie am Schnürchen, und die Gastgeber umhegten alle Autoren und Gäste. 250 Teilnehmer fühlten sich wohl. Für die 24 Filme wurden zwei erste Preise, neun zweite und elf dritte Preise vergeben.

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Die Goldene FILMthuer für künstliche Intelligenz

Landesfilmfestival Thüringen

im Zeichen des Sonderthemas „Leben in der Einen Welt“

Die Goldene FILMthuer für künstliche Intelligenz

TEXT und FOTOS: HANS-WERNER KREIDNER

Das 12. Landesfilmfestival FILMthuer hat am 29. Oktober 2016 im Volksbad Jena die Gewinner der Haupt- und Sonderpreise gekürt. Beim Finale blieb es spannend bis zum Schluss. In jeder Kategorie wurden zunächst drei Nominierte angespielt, bevor der Sieger durch eine Laudatio verkündet wurde.

Pablo Mattarocci aus Jena konnte es kaum glauben, dass er die Goldene FILMthuer bekommt. Sein Film „Über die Notwendigkeit des Beissens“ zitiert klassische Vorbilder des Stummfilms, durchbricht die Zuschreibung von Gut und Böse aber und lässt den Zuschauer unter die Haut gehende Momente von Häme, Erniedrigung, Liebe und Hingabe erleben – in nahezu vollkommener Bild-Ästhetik. Beim Studentenfilm gewann Carsten Lerch, Bauhaus-Uni Weimar mit seiner Animadok „Wider Das Vergessen“, eine sehr persönliche Annäherung an die dunkle Vergangenheit des KZ Buchenwald. Die Gold-Trophäe für den besten Jugendfilm gewannen Simon Schneider (20) & Vincent Schober aus Weimar für den Spielfilm „True“, in dem der Protagonist einen innovativen Algorithmus über die Echtheit von Gefühlen entwickelt. Der Film überzeugt durch die Stringenz der Geschichte, zeigt eindringlich, wie eine gesteuerte Welt nicht nur virtuell existiert, sondern direkt in unser Leben eingreifen und schwere Krisen auslösen kann. Eine überzeugende  professionelle Produktion über künstliche Intelligenz.

Die Gewinner des Hauptpreises Goldene FILMthuer: Simon Schneider & Vincent Schober, Pablo Mattarocci, Carsten Lerch (v.l.n.r.)

Die Gewinner des Hauptpreises Goldene FILMthuer: Simon Schneider & Vincent Schober, Pablo Mattarocci, Carsten Lerch (v.l.n.r.)

SCHÜLERFILM-OSKAR

Im Bereich Medienpädagogik gewann das Friedrich-Schiller-Gymnasium Weimar den Schülerfilm-Oskar mit einer bemerkenswert reifen Leistung. Die jungen Filmemacher projizierten in „Der Kongress“ gesellschaftliche Auswüchse auf die eigene schulische Lebenswelt, setzten Konflikte um Machtspiele und Manipulation dramaturgisch verdichtet um.

Ausgezeichnet mit dem Jugendförderpreis im Wert von 100 Euro wurden Paula Preller & Janine Mokbel, Gymnasium Bergschule Apolda. In „Auschwitz – von Massenmördern und Touristenmassen“ geben sie sich nicht zufrieden mit äußerem Anschein. Gewürdigt wurde ihr Mut, Dingen auf den Grund zu gehen und dafür auch unbequeme Fragen zu stellen.

Ausgezeichnet mit dem Schülerfilm-Oskar: ein Team des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Weimar, hier mit Moderator Ryo Takeda

Ausgezeichnet mit dem Schülerfilm-Oskar: ein Team des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Weimar, hier mit Moderator Ryo Takeda

FLUCHTGESCHICHTEN IM FOKUS

Im Fokus des aktuellen Sonderthemas „Leben in der Einen Welt“ drehte es sich um Flucht und globale Umbrüche in einer Welt im Wandel. Mit der gesellschaftlichen Dimension der Globalisierung hatte sich nahezu ein Viertel aller Autorenfilmer im Wettbewerb auseinandergesetzt. Der von Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter ausgelobte Preis in Höhe von 250 Euro wurde geteilt. Er ging an ein Team der Bauhaus-Uni Weimar für „Imbiss“ über das alltägliche Chaos durch Krieg und Vertreibung, wenn Menschen provisorisch Strom und Lebensmittel „tanken“, sowie an ein Projektteam des Mitmenschen e.V. Erfurt für “School for you“. Der Clip vermittelt Basis-Regeln des Schulalltags in selbstbewusstem Deutsch – nicht ganz fehlerfrei, doch verständlich und macht das Verständnis sprachunabhängig durch Bildersprache.

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Das Landesfilmfestival 2015 des BDFA-Saarland


Unser Foto von der Siegerehrung beweist es: Die Jugend ist beim BDFA-Saarland auf dem Vormarsch! (Foto: Georg Allmannsberger)

Gleich in mehrfacher Weise war das diesjährige Landesfilmfestival des BDFA-Saarland, das der AFW-Blieskastel wieder im Museum des Europ. Kulturparks in Reinheim ausrichtete, außergewöhnlich:

Kannte man bisher nur von Fußballspielen, dass sie wegen großem Zuschaueran-sturm verspätet angepfiffen wurden, so galt dies in diesem Jahr erfreulicherweise auch für das Landesfilmfestival. Eifrig wurden im ganzen Haus Stühle „organisiert“, damit auch wirklich alle Besucher einen Platz fanden, und so konnte Landes-vorsitzender Jürgen Baquet das Festival erst eine Viertel Stunde verspätet eröffnen. Und die sehr zahlreichen Zuschauer, darunter viele Jugendliche, brauchten ihr Kommen wahrlich nicht zu bereuen, wurde ihnen doch ein abwechslungsreiches, kurzweiliges und hochkarätiges Filmprogramm geboten. Sieben der 13 gemeldeten Filme waren von Jugendlichen gedreht worden, darunter die 3 Siegerfilme des Kurzfilmwettbewerbs, die wirklich frischen Wind in die Veranstaltung brachten und mit ihren überwiegend Spielfilmen die Zuschauer begeisterten.

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