12. Mai 2013: 71. Deutsche Filmfestspiele beendet

62 Spitzenarbeiten wurden gezeigt – ausgewählt aus über 3500 Produktionen. 

Am Sonntag (12. Mai 2013) endeten kurz vor 13 Uhr in Jülich die diesjährigen Deutschen Filmfestspiele (DAFF) mit einer „Matinee der Besten“, der Vergabe der begehrten BDFA-Filmpreise sowie der Nominierung der deutschen Produktionen für die „Weltmeisterschaften“ UNICA, die 2013 vom 24. bis 31. August im österreichischen Fieberbrunn veranstaltet werden. An den zurückliegenden vier Festspieltagen jetzt kamen insgesamt rd. 1000 Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem benachbarten Ausland in die Stadthalle von Jülich, in der das Groß-Event DAFF stattfand.

Für 2013 hatte sich der BDFA für Jülich als Veranstaltungsort entschieden, weil ihm das Flair dieser Stadt besonders gefallen hatte. Christel & Klaus Krafft hatten dort – unterstützt von zahlreichen Filmfreunden aus der näheren und weiteren Umgebung Jülichs – die Organisation übernommen; Schirmherrin des viertägigen Großfestivals war Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. Die 62 diesjährigen Spitzenstreifen, alle zwischen 1 und 29 Minuten lang, waren zuvor bei elf Kategorien-(Genre-)BDFA-Bundesfilmfestivals ausgewählt worden – in Bad Liebenstein/Thüringen (Dokumentationen), Blieskastel/Saarland (Tier- und Naturfilme), Dortmund (Reisefilme), Köln (Reportagen), Oldenburg (Familien- und Sportfilme), Schrobenhausen/Oberbayern (Spielfilme), Straubing (Lokalchronik und Folklore) und Waiblingen/Württemberg (Animations- und Trickfilme sowie Fantasie- und Experimentalstreifen und Video-Clip). Außerdem wurde in Jülich eine Auswahl der besten Arbeiten der BDFA-Sonderfestivals „Junger Film“ in Rostock und „1-Minuten-Cup“ in Senftenberg vorgeführt.

Zuvor waren in über 180 Filmclubs in ganz Deutschland und anschließend auf knapp 40 Regions- und Landesfilmfestivals sowie elf Bundesfilmfestivals rd. 3500 neue Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert worden. BDFA-Präsident Klaus Werner Voß/Dortmund am Sonntagmittag nach Ende der DAFF: „Die Besucherinnen und Besucher unseres viertägigen Festivals hier in Jülich waren allesamt begeistert von den diesjährigen Filmen mit ihren zusammen über 800 Minuten Projektionszeit! Die Qualität der gezeigten Arbeiten, die in der Vergangenheit ohnehin schon sehr hoch war, war in Jülich erfreulicherweise noch weiter angestiegen!“ Voß jetzt gegenüber der Presse: „Für mich besonders erfreulich, dass 2013 weit über die Hälfte aller DAFF-Produktionen in HDV bzw. AVCHD realisiert wurden. Es bewegt sich also bei unseren Filmemachern viel nach vorne – nicht nur im Hinblick auf die künstlerische, sondern auch bei der technischen Qualität!“

Näheres zu den DAFF-2013 in Jülich findet man auch im Internet unter www.daff2013.de. 2014 werden – ebenfalls wieder am Himmelfahrts-Wochenende (29. Mai – 1. Juni) – die nächsten, dann 72. Deutschen Film-Festspiele stattfinden, und zwar im „Augustinum“ in Bad Neuenahr (www.daff2014.de).

Fotos der DAFF 2013 gibt es hier.

Ergebnisse der Deutschen Film-Festspiele 2013

Insgesamt kamen bei den diesjährigen Deutschen Film-Festspielen in Jülich 62 neue Produktionen zur Vorführung; sieben Arbeiten wurden mit der höchsten Auszeichnung, dem begehrten BDFA-Filmpreis – einem Plexiglas-Obelisken auf schwarzem Sockel – ausgezeichnet.

Die diesjährigen BDFA-Filmpreise gingen an

„Marionette“

von Rolf Birn (Videofilmer Senftenberg)

Begründung:

„Die Betrachtung des Menschen unter seiner optimalen Verwertbarkeit setzt sein reibungsloses Funktionieren voraus. Dieser Film zeigt uns ein Beispiel für das erfolgreiche sich zur Wehr setzen gegen den seelenlosen Zwang fremdgesteuert zu funktionieren. Eine liebenswerte, gezeichnete Figur zeigt uns beispielhaft ihren Weg, sich aus den Fesseln der Gesellschaft zu befreien. Unser Held verlässt das Paradies und gewinnt damit die Freiheit, wenn auch zunächst mühevoll, Schritt für Schritt sein eigenständiges Leben zu erwerben.“ 

Laudator: Henning Niemeyer (Leubsdorf/Sachsen)

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„APOCALYPSE NOW“

von Florian Arndt (Mühlhausen/Thüringen)

Begründung:

„Drei, zwei, eins, Boom- Feuer frei. Das Musikvideo zu einem Song der Thüringer Rockband SCHOCK setzt sich zornig allen Konventionen eines bürgerlichen Lebens mitten in Deutschland entgegen. Apocalypse Now ist mehr als Zündstoff, denn es setzt sich mutig mit innerer Unzufriedenheit und äußeren Konventionen auseinander. Rauhe Schwarz-Weiß Bilder führen uns bis an die Grenze der Existenz des Hauptdarstellers. 

Laudatorin: Naemi Reymann (Düsseldorf) 

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„Astartes Schlaf“

von Denise Blickhan (Jena)

Begründung:

„Das Vorbild ist eine antike ägyptische Kriegsgöttin. Ihre Attribute sind Schild und Speer. In manchen Darstellungen erscheint sie nackt und steht auf einem Löwen, aus ihren Hüften wachsen Schlangen als Symbolik für Erotik und Fruchtbarkeit . Die nackten Brüste sind ein deutlicher Hinweis auf den lebenspendenden Aspekt der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin. In dem Film sind Musik und Gesang synchron mit der Darstellerin. Der Gesamteindruck ist eine intensive, surreale Tanz Atmosphäre.“ 

Laudator: Henning Niemeyer (Leubsdorf/Sachsen) 

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 „STILLEN!“

von Marcus Siebler (Film- und Videoclub Landshut VHS)

Begründung:

„Eingeschlossen in 13 Kapitel zeigt der schwarz-weiss Film die Ausweglosigkeit einer jungen Frau mit ihrem Säugling. Sparsame, eindringliche Bilder mit ewigem Babygeschrei zeigen ihre Hilflosigkeit und Einsamkeit. Der Autor thematisiert das Tabuthema Kindstötung in beklemmende Bilder ohne viele Worte. Die Schatten der Gitter vom Kinderbett wirken wie ein Gefängnis für Mutter und Kind. Eine sensible und mutige Produktion.“ 

Laudatorin: Bernhardine Schippers (Nettersheim/Eifel) 

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 „Was steckt dahinter?“

von Josef Pettinger (Filmclub Teck e.V.

 Begründung:

„Weites Feld, Aufbau der Traversen, Scheinwerfer, Kabel, Kostüme. Wir werden mitgenommen in den Backstagebereich, schauen dem Orchester in luftiger Höhe über die Schulter und sehen wie sich im Zelt die Zuschauerränge füllen. Hinter einer Bühne stehen Menschen und unterhalten sich. Die Spannung ist zu spüren – ebenso die Spielfreude. In munterem Ton gehaltene berichtet „Was steckt dahinter“ anschaulich Vorbereitungen und großen Auftritt der Operette ‚Der Vogelhändler'“.

 Laudatorin: Naemi Reymann (Düsseldorf)

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 „Koora“

von Daniel Asadi Faezi (Berlin)

 Begründung:

„Unvorstellbare Armut –  Kinder die dennoch fröhlich spielen. Mütter, die im Müll nach Resten suchen, um ihre Familien einen weiteren Tag durch zu bringen. Horden von wilden Schweinen in einer Landschaft aus  Müll, auf der Suche nach Fressbarem. Obwohl der 18 jährige Autor wohlbehütet in Deutschland lebt, hat er bei seinem Besuch in Kalkutta, einer der ärmsten Städte der Welt, einen sensiblen und schonungslosen Film über das Armuts- und Müll Problem der Millionenstadt gedreht. Er lässt die Protagonisten zu Wort kommen und gibt ihnen somit ein Gesicht.“

 Laudatorin: Naemi Reymann (Düsseldorf)

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 „Altay – Land unter dem Mond“

von Michaela Pfeiffer (Mönchengladbacher Filmklub Objektiv e.V.)

 Begründung:

„Die Geräusche der Wetter lehrte die Menschen den Kehlkopfgesang. Die Pferdekopfgeige ertönt klangvoll und heiser. Wir lernen Menschen kennen, die in einer rauen Landschaft leben. Sie leben überwiegend vom Fleisch ihrer Tiere. Die Kinder helfen beim Hüten der vielen Pferde, Schafe und Ziegen. Auf einem hohen Felsblock beten Menschen in einem buddhistischen Heiligtum. Michaela Pfeiffer macht uns in einer sensiblen Reportage mit wunderbaren Bildern mit liebenswerten Menschen in der Mongolei bekannt.“

 Laudatorin: Bernhardine Schippers (Nettersheim/Eifel)

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Der diesjährige BDFA-Ehrenfilmpreis ging an

 Christel und Klaus Krafft aus Jülich

in Anerkennung ihres beispielhaften und uneigennützigen Einsatzes

für den nichtkommerziellen Film

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Die Medaille des Weltverbands UNICA für besondere Leistungen

über die Ländergrenzen hinaus wurde an

 Hannelore und Rüdiger Teich

aus Bad Schwartau verliehen.

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Weitermeldungen zur UNICA (Weltmeisterschaft) 2013 in Österreich:

Weißer Kragen

Spielfilm von Jörn Michaely (AFW-Blieskastel)

 Astartes Schlaf

Fantexfilm von Denise Blickhan (Jena)

 Crossover

Trickfilm von Fabian Grodde (Düsseldorf)

 STILLEN!

Spielfilm von Marcus Siebler (Film- und Videoclub Landshut VHS)

Ralle & Bolle – fernsehsüchtig

Trickfilm von Doreen Schweikowski (FILMthuer e.V.)

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UNICA WORLD-MINUTE-MOVIE-CUP 2013 (in Fieberbrunn/Österreich)

 Frohes Fest!

Spielfilm von Manfred Hennig und Dr. Frank Dietrich (Videofilmer Senftenberg)

 Der kleine Fiffikus

Familienfilm von Hans-Jürgen Schekahn (VCR – Blaulicht 92 Video-Club Rastede)

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 DAFF-FANTEX-Preis 2013 (gestiftet von Frank Frese, gestaltet von Horst Orlich)

 Ophelia

von Maik Pevestorff (FILMthuer e.V.)

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 DAFF-PUBLIKUMSPREIS (Sieger der Publikumswertung):

1. Altay – Land unter dem Mondvon Michaela Pfeiffer

(Mönchengladbacher Filmklub Objektiv e.V.)

2. „eine Reise ins Ungewisse“ von Peter Dinter (Filmklub Dortmund e.V.)

3. „Was steckt dahinter?“ von Josef Pettinger (Filmclub Teck e.V.)

 4. „Die Erben der Seelilien“ von Simone Thernes (Bergedorfer Filmer)

 5. „Koora“ von Daniel Asadi Faezi (Berlin)

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Jahresmotto 2012/2013: Bester Trickfilm

Crossover

von Fabian Grodde (Düsseldorf)

 Das Jahresmotto 2013/2014 lautet „Sportfilm“

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(sk)